Zielgruppe 2

Zita Bräunig

Einleitung2

Ziel der Beratung

  • Gemeinsames Verständnis von Kommunikation entwickeln und konkrete Handlungsmöglichkeiten für Alltag und Unterricht aufzeigen.

Grundhaltung

    • Kommunikation ist ein Menschenrecht
    • Jede Person kommuniziert
    • UK ergänzt oder ersetzt Lautsprache
    • Bezugspersonen sind zentrale Kommunikationspartner:innen

Was ist UK und für wen ist sie?3

Definition

  • Unterstützte Kommunikation (UK) umfasst alle pädagogischen und therapeutischen Maßnahmen, Hilfsmittel und Strategien, die Menschen mit eingeschränkter Lautsprache beim Verstehen und Mitteilen unterstützen.

Für wen?

    • Personen mit fehlender Lautsprache
    • Personen mit schwer verständlicher Lautsprache
    • Personen mit eingeschränktem Sprachverständnis
    • Personen mit komplexer Behinderung
    • autistische Personen
    • Personen mit neurologischen oder genetischen Erkrankungen

Ziel

  • gesellschaftliche und soziale Teilhabe, Teilhabe an Bildung, Selbstbestimmung

Zielgruppe 2 (nach Weidt-Goldschmidt)3

Zielgruppe 2 umfasst:

  • Kinder, Jugendiche und Erwachsene,
    • die intentional kommunizieren wollen
    • die für Interaktion offen sind
    • deren symbolische Kompetenzen jedoch nicht (noch nicht/ nicht mehr) ausreichen, um komplexe Symbolsysteme - insbesonders Lautsprache- sicher zu verstehen oder zu nutzen

Kennzeichen

    • Kommunikation stark situationsgebunden
    • Begrenztes Symbolverständnis
    • Nutzung präsymbolischer oder früher symbolischer Mittel
    • Hoher Bedarf an konkreter, erfahrungsbezogener
      Kommunikation

Konsequenzen für die Beratung

  • Die Förderung dar nicht sprachlich überfordern - sie muss entwicklungslogisch anschließen.

Kommunikationsvoraussetzungen2

Personale Voraussetzungen

    • Geteilte Aufmerksamkeit
    • Reaktion auf vertraute Personen
    • Intentionales Handeln (z.B. greifen, zeigen, Blick richten)
    • Basales Ursache- Wirkungs- Verständnis
    • Erste Objekt- oder Handlungsschemata
  • Symbolisch häufig:
    • Objektbezug vorhanden
    • Fotos werden teilweise verstanden
    • Abstrakte Symbole werden noch nicht stabil verstanden

Entwicklungslogische Konswquenz

  • Förderung auf Ebenen:
  • 1. Präintentional → intentional
    2. Präsymbolisch → konkret-symbolisch
    3. Situativ → kontextübergreifend

Form, Funktion und Inhalt (in Bezug auf kommunikationspragmatische Ansätze wie COCP Modell)3

Form - Wie wird kommuniziert?

  • Typisch für Zielgruppe 2:
    • Blickbewegungen
    • Körperbewegungen
    • Zeigen/ Greifen
    • Lautieren
    • Einzelne Gebärden
    • Objekt- oder Fotosymbole
    • Einfachtaster mit stark kontextgebundener Bedeutung
  • Abstrakte Symbolsysteme (z.B. komplexe Talkeroberflächen) sind meist überfordernd

Funktion - Warum wird kommuniziert?

  • Häufig domminierende Funktionen:
    • Bedürfnisse äußern
    • Protestieren
    • Aufmerksamkeit erhalten
    • Fortsetzung verlangen
    • Auswahl treffen (ja/nein, A/B)
  • Weniger stabil:
    • Kommentieren
    • Erzählen
    • Fragen stellen
    • Perspektivübernahme
    1. >Ziel: Erweiterung der kommunikativen Funktionen

Inhalt - Worüber wird kommunizier?

  • Stark gebunden an:
    • konkrete Gegenstände
    • Wiederkehrende Aktivitäten
    • Personen im Nahbereich
    • Unmittelbare Bedürfnisse
  • Abstrakte Inhalte (z.B. Zeit, Gefühle, Vergangenheit) werden meist nur situativ verstanden.

Exemplarische Unterrichtsinhalte6

1. Ursache-Wirkung erfahrbar machen

    • Taster aktiviert Musik
    • Licht an/ aus
    • Ventilator ein-/ ausschalten
  • Ziel: Handlung bewirkt Reaktion

2. Wahlmöglichkeiten etablieren

    • Snack A oder B (Realgegenstand)
    • Zwei Aktivitäten mit Objektpräsentanz
    • Abstimmung mit realen Symbolen
  • Ziel: Intentionalität stärken

3. Kommunikationsrituale aufbauen

    • Begrüßungsritual mit Objekt
    • Lied mit wiederkehrendem Tastereinsatz
    • "Nochmal"- Situation gezielt inszenieren
  • Ziel: Funktion "Fortsetzung" stabilisieren

4. Objek- und Fotosymbole einführen

    • Gegenstand steht für Aktivität
    • Foto kündigt Raumwechsel an
    • Ich-Buch mit Fotos realer Situationen
  • Ziel: Übergang zur frühen Symbolisierung

5. Kommentarfunktion anbahnen

    • Überraschungssituationen inszenieren
    • "Oh!"- Taster
    • Gefühlskarten im konkreten Erlebnis

6. Strukturierung und Vorhersagbarkeit

    • Visualisierter Tagesablauf mit realen Objekten
    • Klare Anfangs-/Endsignale
    • Wiederholungsstrukturen

Materialsammlung (entwicklungsangepasst)2

Präsymbolisch/ konkret-symbolisch

    • Realgegenstände
    • Mini- Objekte
    • Fotos aus dem Lebensumfeld
    • Einfachtaster
    • Step-by-Step Taster
    • Kommunikationskisten

Frühsymbolisch

    • Stark reduzierte Symboltafeln (max. 2-4 Felder)
    • Kernwörter im Kontext modelliert
    • Gebärdenunterstützung

LIteraturliste 1

Fachliche Grundlage

    • Bärbel Weid Goldschmidt - Zielgruppen in der UK
    • Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation - Fachpublikation
      und Praxismaterial
    • ISAAC International - Internationale Fachorganisation AAC
    • Handbuch der Unterstützten Kommunikation