Jeder junge Mensch hat ohne Rücksicht auf seine wirtschaftliche Lage und Herkunft und sein Geschlecht ein Recht auf schulische Bildung, Erziehung und individuelle Förderung. Dieses Recht wird nach Maßgabe dieses Gesetzes gewährleistet.
RdErl. d. Ministeriums für Schule und Bildung v. 17.12.2019
Ziel durchgängier Sprachbildung ist die Weiterentwicklung der sprachlichen Kompetenzen aller Schülerinnen und Schüler durch eine sprach- und kultursensible Ausgestaltung des Unterrichts in allen Fächern. Durchgängige Sprachbildung unterstützt Schülerinnen und Schüler mit Deutsch als Erstsprache und als Zweitsprache.
Richtlinien und Lehrpläne für die Primarstufe in NRW
Da in allen Fächern der Primarstufe fachliches und sprachliches Lernen eng miteinander verknüpft sind, ist es die gemeinsame Aufgabe und Verantwortung aller Fächer, die bildungssprachlichen Kompetenzen aller Schülerinnen und Schüler als wichtige Voraussetzung zum Lernen und für den Schulerfolg zu entwickeln und zu stärken. Mehrsprachigkeit wird dabei als Ressource für sprachliche Bildung verstanden.
Kinder lernen Deutsch zunächst in der Familie als Alltagskommunikation. Aber schon im Kindergarten und dann in der Schule erhöhen sich die sprachlichen Anforderungen. Die Kinder müssen immer komplexere Texte verstehen und sich zunehmend differenzierter ausdrücken.
Da erst der Erwerb dieser "Bildungssprache" der Schule, des öffentlichen Lebens und der Berufswelt den Schülerinnen und Schülern die Teilhabe und den Bildungserfolg ermöglicht, muss Schule diesen Weg unterstützen.
Unsere schulische Verantwortung für den Aufbau der Bildungssprache ist stetig größer geworden, denn wir beobachten, dass außer den Schülerinnen und Schülern mit Deutsch als Zweitsprache und aus bildungsbenachteiligten Familien immer mehr Kinder die Bildungssprache nicht mehr ausreichend im häuslichen Umfeld lernen können. Dazu kommt eine stetig steigende Anzahl von Kindern mit Teilleistungsschwächen oder festgestelltem Förderbedarf.
Deshalb ist die durchgängige Sprachbildung im Unterricht, in jedem Fach, in Fördergruppen und in jeder (auch außerschulischen) Maßnahme von außerordentlicher Bedeutung für den Erfolg schulischer Bildung und unbedingt weiter zu verstärken.
Sprachförderung und Sprachbildung sollen ein Entwicklungsvorhaben der gesamten Schule sein. Ziel ist es, konkrete Vorstellungen und verbindliche Vereinbarungen über eine durchgängige Sprachbildung in den einzelnen Fächern zu entwickeln. Grundlage der Erarbeitung ist der Referenzrahmen für Schulqualität. Die Sicherung erfolgt im Schulprogramm und in den schulinternen Curricula und bildet somit eine Basis des gemeinsamen kollegialen Handelns. Somit kann eine gleichsinnige schulische Umsetzung gewährleistet werden, damit alle Schülerinnen und Schüler der Schule davon profitieren.
Die Lehrkräfte planen und gestalten den Unterricht mit Blick auf das Register Bildungssprache und stellen die Verbindung von Alltags- und Bildungssprache her.
Lernplakate zur Bildungssprache, Reformulierungsaufgaben, Zieltransparenz der Stunde als Tafelanschrieb, sprachlernförderliche Arbeitsblätter einsetzen (Textentlastung, Angeben von Begriffsklärungen, gegliederter Text, größere Schrift…
Zu Schuljahresbeginn den individuellen Entwicklungsbedarf ermitteln, prozessbegleitende und kriteriengestützte Diagnostik und Dokumentation der Sprachentwicklung, Nutzung der Diagnostikresultate für die Unterrichts- und Förderplanung.
• Aufgabenstellungen mündlich und schriftlich geben, reformulieren lassen
• Systematische Wortschatzarbeit, d.h. Wortschatzübungen, Wortspeicher, thematische Einbettung/Kontextbezug des zu erarbeitenden Wortschatzes, evtl. Verknüpfung mit den Herkunftssprachen, Satzstrukturen, etc.
Systematische Wortschatzarbeit, Reformulierung von Aufgabenstellungen, Bereitstellung von ein/mehrsprachigen Glossaren, Nachschlagewerken etc., Visualisierung des Fachwortschatzes (Lernplakate, Illustrationen, Skizzen, Gesten, Realia, Glossar, Artikelkennzeichnungen z.B. farblich angeben, Konjugationsformen in verschiedenen Zeiten auf Arbeitsblättern angeben
Die Schülerinnen und Schüler erhalten viele Gelegenheiten, ihre allgemein- und bildungssprachlichen Fähigkeiten zu erwerben, aktiv einzusetzen und zu entwickeln.
In der Luziaschule lernen ca. 140-150 Schülerinnen und Schüler aus Berge und vielen umliegenden Ortschaften. Ein großer Teil der Kinder fährt mit dem Bus zu Schule.
Etwa ein Viertel der Kinder besuchen die Betreuung des Offenen Ganztags und etwa ein Drittel der Kinder sind in der Betreuung 8 bis 1, und verbringen damit den Großteil des Tages außerhalb der Familie. Der Betreuungsbedarf ist in den letzten Jahren stetig angestiegen.
In der Regel besuchen etwa 20 - 30 Kinder mit Migrationshintergrund und weniger als 10 Kinder nichtdeutscher Herkunft mit nur wenigen Deutschkenntnissen die Luziaschule. Sie sind in die Regelklassen integriert und erhalten zusätzliche Sprachförderung. Außerdem lernen hier auch Kinder mit besonderem/ sonderpädagogischem Förderbedarf, z. B. auch im Bereich Sprache.
Einige Familien der Schülerschaft beziehen Leistungen aus dem Teilhabepaket.
Verteilung der Schülerinnen und Schüler auf die Klassen
Die Kinder der Schuleingangsphase werden in drei Eingangsklassen mit ca. 25 bis 27 Kindern jahrgangsübergreifend unterrichtet.Die beiden 3. und die beiden 4. Klassen werden jahrgangsbezogen geführt und haben jeweils meistends bis zu 20 Schülerinnen und Schüler.
Die Schule ist für die Anzahl der Schülerinnen und Schüler zu klein, dies ist auch dem Schulträger bekannt und hat im Schuljahr 2023/24 zur Erarbeitung eines neuen Raumkonzepts geführt, dessen Umsetzung allerdings leider noch nicht terminiert ist, sodass die Raumsituation schwierig ist und häufig improvisiert werden muss. Insbesondere für zusätzliche Fördermaßnahmen in kleinen Gruppen sind oft keine Räume verfügbar.
Die personelle Situation ist durch häufige Wechsel und Umstellungen in den letzten Jahren gekennzeichnet. Selbst eine stundenbezogen recht gute Besetzung garantiert nicht die gleichbleibende Qualität des Unterrichts, da nicht alle Beschäftigten ausgebildete Grundschullehrkräfte sind. Eine Sonderpädagogin arbeitet in Teilzeit an der Luziaschule. Häufig müssen SonderpädagogInnen eine Klassenleitung mangels Lehrkräfte übernehmen, wie auch aktuell bei uns.
Ziele und Inhalte der durchgängigen Sprachbildung2
Ziel
Unser Ziel soll sein, die sprachlichen Kompetenzen sowohl der deutschen Schülerinnen und Schüler mit Sprachdefiziten als der Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Herkunft weiterzuentwickeln und das Erlernen und Nutzen der Bildungssprache zu begleiten.
Für de Ausbau der Fähigkeiten im Bereich der Bildungssprache bedarf es der geplanten Kommunikation in allen Fächern geknüpft den die Themen des Unterrichts:
respektvoller Umgang miteinander
Wünsche und Bedürfnisse artikulieren
richtig artikulieren
Fragen stellen können
in vollständigen Sätzen sprechen
Zuhören
Sprache als Verständigungsmittel erkennen
Sprache auch in Konfliktsituationen angemessen nutzen können
den Wortschatz erweitern
Fachbegriffe nutzen
Sprachstrukturen und -muster kennen und nutzen
grammatikalische Zusammenhänge erkennen und richtig nutzen
Lesefertigkeiten weiterentwickeln
Aufgabenverständnis erweitern
die Fähigkeit weiterentwickeln, verschiedene Textformen zu planen
Zusammenarbeit mit außerschulischen Ansprechpartnern
Insbesondere bei der LRS-Diagnostik ist die Zusammenarbeit mit außerschulischen Ansprechpartnern wichtig, da wir die Kinder nicht selbst testen, es aber durchaus notwendig ist, Testergebnisse gemeinsam mit Eltern und TesterInnen zu besprechen, um die richtigen Maßnahmen für das betroffene Kind festlegen zu können.
Konkret kann hier beispielsweise die Caritas-Beratungsstelle Meschede genannt werden, die Leiterin Frau Dr. Krick führt selbst LRS-Tests durch und bespricht diese bei Bedarf mit den Lehrkräften.
Natürlich dienen alle Inhalte des Deutschunterrichts auch der sprachlichen Förderung, allerdings unterstützen wir diese durch den gezielten Einsatz bestimmter Medien und Methoden zusätzlich, hierzu gehören beispielsweise:
strukturierte und differenzierte Leseförderung (jeweils in Abstimmung auf die entsprechende Klasse und ihre Schülerinnen und Schüler)
regelmäßiger Einsatz von Lernwörterzetteln in allen Klassen, um den Grundwortschatz NRW zu erwerben und zu festigen
Da die Sprachförderung grundsätzlich Aufgabe aller Fächer ist findet sie selbstverständlich auch in allen Fächern Anwendung, beispielsweise in Zusammenhang mit:
Ergebnispräsentationen
Schreiben zu bestimmten Themen und Anlässen
über Texte sprechen
Theater spielen
Nutzung der Klassenbücherei (u.a. für Sachunterricht)
Neu zugewanderte Schülerinnen und Schüler erhalten zusätzlichen Förderunterricht für Deutsch als Zweitsprache. Auch Kinder aus mehrsprachigen Familien, die keine Deutsch-Muttersprachler sind, können bei Bedarf daran teilnehmen.
Wenn möglich, werden Kinder aus Parallelklassen zu Lerngruppen zusammengefasst, um auch das Kommunikationsverhalten einüben zu können.
Kinder mit einer festgestellten Lese-Rechtschreib-Schwäche haben auf einen entsprechenden Antrag der Eltern hin Anspruch auf einen Nachteilsausgleich. Gleichzeitig mit dessen Gewährung fördern wir die betreffenden Kinder hinsichtlich ihrer individuellen Schwächen.
Beispiele für einen Nachteilsausgleich:
Aufgaben in Silbenschrift stellen
Aufgaben in einzelnen Portionen stellen
spezielle Erklärung von Aufgaben
Zeitzugabe in Klassenarbeiten (ggf. mit Korrekturoption)
Wir nutzen verschiedene Angebote über die Bildungsmediathek NRW, der Sprachförderung dienen hier insbesondere Onilo und LeOn, die regelmäßig im Rahmen der Leseförderung eingesetzt werden.
Seit dem Schuljahr 2023/24 findet einmal in der Woche die TheaterAG als freiwilliges Angebot statt und wird von den Schülerinnen und Schülern gut angenommen.
In diesem Kontext findet Sprachbildung automatisch und regelmäßig statt, weil die Schülerinnen und Schüler sich nicht nur Texte erschließen und diese für die Aufführungen lernen, sondern weil sie auch selbst Texte verfassen, die gespielt werden. Darüber hinaus bieten auch das Ausprobieren und Einüben verschiedener Sprecharten wertvolle Möglichkeiten, die eigene Sprachfertigkeit weiterzuentwickeln.
Auch im Rahmen des Kulturstrolcheangebots der Stadt Meschede, an dem die Luziaschule regelmäßig teilnimmt, bieten verschiedene Aktionen differenzierte Möglichkeiten der Sprachförderung. Hierzu gehören beispielweise:
Besuch und Nutzung der Stadtbücherei
Besuch von Theateraufführungen zu verschiedenen Themen
Derzeit befindet sich unsere Schulbücherei im Neuaufbau nach einer dringen nötigen Überarbeitung. Bücher aus dem Zeitraum vor der Rechtschreibreform von 1996 wurden aussortiert, Neuanschaffungen teilweise bereits erfolgt.
Nach der Erfassung der vorhandenen Bestände in einem elektronischen Ausleihsystem ist geplant, den Schülerinne und Schülern die regelmäßige Ausleihe von Büchern zu ermöglichen.